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Streik in Reconvilier

Der Streik bei Swissmetal in Reconvilier im vergangenen Jahr war der intensivste Arbeitskampf in der Schweiz seit geraumer Zeit. Er hatte starke mediale Präsenz, beschäftigte gar den Bundesrat und in der Arena im Schweizer Fernsehen war er Thema eines ganzen Abends. Ich versuche in meinem Kurzvortrag den Arbeitskonflikt bei der Boillat, so der Name des Swissmetal Werkes in Reconvilier, möglichst exemplarisch zu betrachten und vermeide es mich in spezifischen Details zu verlieren. Die Arena-Sendung lief damals unter dem Titel „Büezer gegen Bonzen; der neue Klassenkampf?“. Dass wir in einer Klassengesellschaft leben und für welche Seite wir dabei Partei ergreifen, ist heute nicht Diskussionsthema, sondern Diskussionsvoraussetzung.
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StudentInnenproteste

Ein Hauch von Marx wehe über den Vorplatz der Geisteswissenschaftlichen Fakultät schrieben einige Zeitungen im November 2005. Fast 2000 StudentInnen waren zur Demo gekommen die von VSSTÖ, Gras und trotzkistischen Gruppen organisiert wurde, doch was hatte die Leute auf die Straße bewegt? Grund für den Unmut der StudentInnen war der Umstand das einige Höhrsääle im so genannten Geiwi- Turm wegen Baufälligkeiten geschlossen werden sollten, dies hätte bedeutet, dass es zu einem Umzug einiger Kurse oder sogar Studienrichtungen gekommen wäre. Gruppen wie der VSSTÖ damals noch mit stalinistischer Führung und trotzkistische Zusammenhänge sahen in diesen Unmutsbekundungen einen Anknüpfungspunkt für ihre Vorstellungen von Klassenkampf oder what ever und stellten sich daher auch sofort an die Spitze der studentischen Unmutsbewegung.
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Veranstaltungsreihe

Infoladen Between, Bregenz
Samstag, 31. März 2007, ab 17 Uhr

Infoladen Romp, Luzern
Donnerstag, 5. April 2007, ab 20 Uhr
Flyer Luzern

Brasserie Lorraine, Bern
Samstag, 21. April 2007, 20 Uhr

St. Gallen, Zürich und Innsbruck
sind noch in Abklärung.

Inhalt der Veranstaltungen siehe Beitrag zu Winterthur.

Veranstaltung in Winterthur

Diskussionsveranstaltung
Samstag, 17. März 2007, ab 20 Uhr
Nord-Süd-Haus (an der Steinberggasse), Winterthur

Wir diskutieren, was es bedeutet, sich im Alltag zu organisieren und
in Kämpfe zu intervenieren. An der Veranstaltung werden Kurzvorträge
zu folgenden Themen gehalten:

- Streik in Reconvillier (Swissmetal)
- Studierendenproteste
- Versuch einer Basisgruppe

Von diesen konkreten Auseinandersetzungen ausgehend, wollen wir
in einer offenen Diskussion die Perspektiven aber auch Gefahren und
Probleme von Versuchen antikapitalistischer Praxis anschauen.

Flyer:

Flugblatt zum WEF

WEF – Na und?

Weg mit ausbeuterischen Grosskonzernen! Weg mit raffgierigen Managern! Weg mit den Bonzentreffen! Das klingt alles furchtbar radikal, doch was da allenthalben gefordert wird, verändert den Zustand der Welt bloss geringfügig und stützt das Bestehende. So werden bloss vermeintlich besonders schlimme Auswüchse angeprangert, statt den Kapitalismus als Ganzes ins Blickfeld zu nehmen. Auch ohne Grosskonzerne muss man morgens um halb sieben Uhr aufstehen und täglich seine Arbeitskraft verkaufen. Wenn die Manager weg sind, dann fliesst beispielsweise mehr Geld in den Verwaltungsrat und den Akkumulationsfonds. Und wenn die «Bonzentreffen» nicht mehr stattfinden, werden die politischen Rahmenbedingungen der kapitalistischen Wirtschaft anderweitig geregelt. Kurz: Der Kapitalismus funktioniert mitsamt seinen Begleiterscheinungen auch ganz gut, wenn all die moralischen Forderungen umgesetzt würden.

Diesen Forderungen liegt nebst dem Versuch, mittels populistischer Parolen an die «Massen» zu gelangen häufig ein grundsätzliches Missverständnis von der Funktion des Kapitalismus zugrunde: Der Kapitalismus zeichnet sich gerade nicht dadurch aus, dass er von einzelnen unmoralischen Managern oder besonders ausbeuterischen Unternehmen beherrscht oder gesteuert wird. Vielmehr sind diese selbst ökonomischen Zwängen unterworfen. In der kapitalistischen Logik der Konkurrenz ist das einzelne Unternehmen bei Gefahr des Untergangs gezwungen, die Profite möglichst hoch zu halten. Das bedeutet, dass sie Lohnkürzungen, Entlassungen und Verlagerungen der Produktion umsetzen müssen, wenn ihre Konkurrenten dies tun. Genau darum können sich die ArbeiterInnen nur kollektiv und in der globalisierten Wirtschaft weltweit zur Wehr setzen.

Versucht sich ein Unternehmen diesem Zwang zu entziehen, wird es früher oder später von der Konkurrenz aufgefressen. Da das funktionieren der Wirtschaft nicht alleine durch die Konkurrenz (oder die viel genannte «unsichtbare Hand des Marktes») gewährleistet werden kann, benötigt das Kapital politische Regulierungsinstanzen, welche die Verwertungsbedingungen garantieren. Was sich am WEF trifft, ist das Personal eben dieser Instanzen, welches alljährlich wieder versucht, Perspektiven für das Kapital zu eröffnen und Krisentendenzen abzufedern. Doch statt nun dieses Personal zu brandmarken und durch diese Personalisierung die wirklichen Ursachen aus den Augen zu verlieren, muss die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes umgestürzt werden.

Denn diese kapitalistische Gesellschaftsform bedeutet: Statt dass alle gemeinsam über die Produktion bestimmen, werden die ArbeiterInnen von den Produktionsmitteln getrennt und dadurch gezwungen, immer wieder aufs Neue ihr einziges Gut zu verkaufen: ihre Arbeitskraft. Für diesen beständigen Verkauf erhalten sie einen Lohn, der immer unter dem Wert des von ihnen produzierten bleiben muss (sonst macht das Unternehmen keinen Profit). Das Problem, mit welchem wir es zu tun haben, ist also ein strukturelles, ein Problem des Kapitalismus als Gesellschaftsform. Und eben diese gilt es dort anzugreifen, wo sie täglich produziert und reproduziert wird: in unserem Alltag am Arbeitsplatz, in der Schule, an der Uni. In unserem täglichen und zwangsweisen Funktionieren sind wir alle mehr oder weniger rund laufende Rädchen des Ganzen. Dieser Tatsache kann man sich auch nicht entziehen, indem man einen Tag im Jahr auf die Strasse geht um seinen Unmut über Bonzen rauszuschreien und den McDonald´s boykottiert. Der Kapitalismus kann nur dort effektiv bekämpft werden, wo er (re)produziert wird. Genau darum muss man sich im Alltag organisieren und in jene Kämpfe intervenieren, die sich an den Bruchstellen der Gesellschaft abspielen.

Will man den Kapitalismus abschaffen, ist es falsch die Welt in gutes und böses Kapital einzuteilen. McDonald´s ist bei genauerer Betrachtung eben nur die erfolgreichere Variante des Hamburgerstandes von nebenan, trotzdem sind beide der gleichen kapitalistischen Logik des Wirtschaftens unterworfen. Nur wenn wir den Kapitalismus als das begreifen, was er ist – nämlich ein alles durchdringendes gesellschaftliches Verhältnis – können wir eine ernsthafte Perspektive entwickeln, die jenseits von Ausbeutung und Ungleichheit liegt. In diesem Sinne: Den kapitalistischen Alltag durchbrechen!

Downloadlink für das gelayoutete Flugblatt
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